Prof. Dr. Thomas Schwartz, Universität Augsburg und Pfarrer in Mering

Wenn Unternehmen wirklich ein Interesse daran haben, dass Mitarbeiter gern zu ihnen kommen, gern im Betrieb verbleiben und sich gern und engagiert für das Fortkommen des Unternehmens einsetzen, sollten sie bewusst auf die Kraft des menschlichen Strebens nach Glück setzen. Zweifellos ist Glück für jeden Menschen etwas anderes, hat es für jeden Einzelnen einen ganz spezifischen Bedeutungsinhalt, aber es stellt stets eine Weiterentwicklung der persönlichen „Fülle des Sein-Könnens“ (plenitudo essendi) dar. Genau dafür sollten Unternehmen dem Mitarbeiter ‒ vom Young High Potential bis zum alten Erfahrungs- und Wissensträger ‒ individuell zugeschnittene Möglichkeiten anbieten.

Prof. Dr. Thomas Schwartz
Universität Augsburg, Wirtschaftsethik und Unternehmensethik
Pfarrer in Mering

Gastkommentar zum Thema Mitarbeiterbindung, 2. Auflage 2016

Dr. Sahra Wagenknecht MdB, Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE

Ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter binden will, muss sie fair behandeln. Gute Tariflöhne und Arbeitsbedingungen sowie Respekt vor Mitbestimmung gehören dazu, genauso wie persönliche Anerkennung und die Rücksichtnahme auf Phasen, in denen Mitarbeiter mehr Zeit für ihre Familie oder ihre Gesundheit brauchen. Eine starke Bindung resultiert auch aus gemeinsamen Zielen: wenn Mitarbeiter ihre Arbeit als sinnvoll und wichtig empfinden und ihre Talente in der und durch die Arbeit entfalten können.

Dr. Sahra Wagenknecht
Mitglied des Deutschen Bundestages
Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE

Gastkommentar zum Thema Mitarbeiterbindung, 3. Auflage 2018

Dr. Wolfgang Brezina, Head of HR Operations, Allianz SE

Mitarbeiterbindung wird ein zunehmend kritischer Erfolgsfaktor für Unternehmen und zugleich zu einer der schwierigsten Aufgaben im HR-Bereich werden. Aktuell wird vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des damit einhergehenden rückläufigen Angebots an Arbeitskräften sehr stark an der Rekrutierungsseite gearbeitet. Das ist sicher notwendig, aber nicht hinreichend, denn die erfolgreich angeworbenen Talente müssen auch langfristig an das Unternehmen gebunden werden. Dies ist umso schwieriger, weil die grundsätzliche Bereitschaft, den Arbeitgeber zu wechseln, gerade bei den jüngeren Menschen ständig zunimmt. Schließlich führt die zunehmende Individualisierung dazu, dass die Bemühungen der Unternehmen, ihre Mitarbeiter zu bündeln nicht in einem »one size fits all Ansatz« münden können, sondern vielmehr sehr individuell und passgenau erfolgen müssen.

Dr. Wolfgang Brezina
Head of HR Operations, Allianz SE

Gastkommentar zum Thema Mitarbeiterbindung, 2. Auflage 2016

Andreas Buhr, Buhr & Team Akademie für Führung und Vertrieb AG

Mit jedem Mitarbeiter, der geht, geht Wissen verloren. Wie kann dieses Risiko minimiert werden? An erster Stelle steht das Recruiting passender Mitarbeiter. Ein guter Ansatz ist, sich auf drei Wege zu spezialisieren: Empfehlungen, Internet-Jobbörsen, Direktansprache auf Messen. Das Motto sollte lauten, Mitarbeiter zu finden, die (in einer Disziplin) besser sind, als man selbst. Besonders relevant sind die Bedürfnisse der Generation Y ‒ sie hat ganz eigene Ansprüche an die Arbeitswelt, will einbezogen sein, will Verantwortung übernehmen und sie will Teil einer Story sein. Der Fokus des Unternehmens muss dann auf den Zweck und damit auf die Bedürfnisse des Kunden ausgerichtet sein. Und wie werden gute Leute gehalten? Gute Leute wollen wachsen und sich einbringen. Hier kommt der passgenauen Weiterbildung, dem Training und der Entwicklung Bedeutung zu. Richtige Auswahl und individuelle Förderung von Mitarbeitern sind die Knackpunkte für eine erfolgreiche Bindung an das Unternehmen.

Andreas Buhr
Buhr & Team Akademie für Führung und Vertrieb AG

Gastkommentar zum Thema Mitarbeiterbindung, 2. Auflage 2016

Christian Aubry, Geschäftsführer Edenred Deutschland

Unternehmen, die im demografischen Wandel auf langfristige Mitarbeiterbindung setzen, können auch mit kleinen Gesten Wertschätzung vermitteln. Mit dem steuer- und abgabenbefreiten monatlichen Sachbezug lassen sich nicht nur kleine Momente der Anerkennung und Wertschätzung hervorrufen. Die monatliche Zuwendung hat eine starke Wirkung auf die Zugehörigkeit zum Arbeitgeber und bindet. Darüber hinaus kann jedes Unternehmen ureigene Wege finden: Wir haben beispielsweise einer Mitarbeiterin, die malt, eine Kunstausstellung in unseren Geschäftsräumen ermöglicht.

Christian Aubry
Geschäftsführer, Edenred Deutschland

Gastkommentar zum Thema Mitarbeiterbindung, 2. Auflage 2016

Mario Ohoven, Präsident, Bundesverband mittelständische Wirtschaft

Gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter haben entscheidenden Anteil am Erfolg eines mittelständischen Unternehmens. Diese High Potentials zu finden und an das Unternehmen zu binden, muss deshalb Chefsache im Mittelstand sein. Denn es geht um weit mehr als die Senkung fluktuationsbedingter Kosten. Mittelständler müssen systematisch Präferenzen ihrer Mitarbeiter ermitteln und passende Maßnahmen ergreifen, mit denen sie sich ihr wertvollstes Kapital strategisch sichern.

Mario Ohoven
Präsident, Bundesverband mittelständische Wirtschaft
Präsident, Europäischer Mittelstandsverband European Entrepreneurs

Gastkommentar zum Thema Mitarbeiterbindung, 2. Auflage 2016